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Wissensarbeit
Definition
Wissensarbeit leistet, wer Wissen erwirbt, oder bestehende Wissensinhalte so umwandelt und kombiniert, dass neue Einsichten und Erkenntnisse entstehen. Hermann et al. (2005)

Das Konkretisieren bzw. Abstrahieren von Beispielen, das Erklären und Vorhersagen von Ereignissen, das Generalisieren oder Einschränken von Heuristiken sind nur einige Beispiele für solche Umwandlungsprozesse, die unter den Begriff der Wissensarbeit gefasst werden können (vgl. hierzu auch Karni & Arciszewski, 1997, die 36 elementare Transformations-mechanismen vorstellen).
Erläuterung
Bei zahlreichen Berufen, beispielsweise in der Forschung, Entwicklung und Beratung, ist Wissensarbeit ein zentraler Bestandteil der Tätigkeit. Personen, die in diesen Feldern arbeiten, sind permanent gefordert, die Grenzen ihres eigenen Wissens - oft auch ihrer eigenen Fachdisziplin - zu überschreiten und neue Konzepte und Lösungsansätze zu entwickeln. Ein erfahrener Berater beispielsweise verfügt zwar über ein gewisses Methodenrepertoire, auf das er zurückgreifen kann, jeder Fall ist aber anders. Er kommt deshalb nicht umhin, seine Vorgehensweisen zu variieren, zu modifizieren und manchmal sogar ganz neue zu erfinden, um zu dem gewünschten Ergebnis zu gelangen. Damit leistet er ebenso Wissensarbeit wie der Wissenschaftler, der ja explizit die Aufgabe hat, die bis dahin als sicher geglaubten Erkenntnisse auf die Probe zu stellen und neues Wissen zu generieren.

In der Vergangenheit wurden Wissensarbeiter oft ausschließlich in Branchen und Bereichen mit hoch qualifizierten Tätigkeiten vermutet (z.B. Davenport et al., 1996 oder Willke, 1998). Zwei Dinge wurden dabei übersehen: Zum einen ist längst nicht alles, was Experten machen, Wissensarbeit. Vieles ist auch hier Routine (Pfiffner & Stadelmann, 1998). Zum anderen kommen durchaus auch Personen, die für gewöhnlich einfache, standardisierte Tätigkeiten ausüben, immer wieder in die Situation, Wissensarbeit leisten zu müssen. Jede Ausweitung der Produktpalette, jede Reorganisationsmaßnahme und jede Einführung eines neuen technischen Systems führen dazu, dass die eingespielten Arbeitsabläufe obsolet werden. Für die Beschäftigten bedeutet dies immer eine Wissensintensivierung der Arbeit. Diese kann zeitlich begrenzt sein und nur so lange bestehen bis die Lücke zwischen den vorhandenen Kompetenzen und den neuen Arbeitsanforderungen geschlossen ist. Sie kann aber auch zu einer grundlegenden Veränderung des Charakters der Arbeit führen (Hermann, 2004).

Wissensarbeit lässt sich aus diesem Grund weder an Berufen oder Positionen, noch am Qualifikationsniveau der Beschäftigten allein festmachen, sondern hängt von den aktuellen Anforderungen der Arbeit und den zu diesem Zeitpunkt verfügbaren Kompetenzen der betreffenden Personen ab.

Beides kann sich jederzeit ändern. Arbeitsinhalte und damit auch die Wissensanforderungen an einem Arbeitsplatz bleiben nicht auf Dauer stabil und auch die Menschen verändern sich. Ihr Wissen wächst mit den Aufgaben, die sie bewältigen, und geht verloren, wenn keine Möglichkeit besteht, das Gelernte anzuwenden. Es ist deshalb nicht möglich, ökonomische und nachhaltige Konzepte zur Gestaltung der Wissensarbeit zu entwickeln, ohne diese zweifache Dynamik im Blick zu behalten.
Letzte Änderung: 02.03.2005
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